Ihr Olympiasieg 2010 in Vancouver machte Viktoria Rebensburg blitzartig bekannt. Mit 20 Jahren wurde sie die zweitjüngste alpine Goldmedaillengewinnerin die Deutschland je hatte. Damals hat keiner damit gerechnet, doch nicht Kombinations-Gewinnerin Maria Höfl-Riesch oder Riesenslalom-Weltmeisterin Kathrin Hölzl machten das Rennen, sondern die zweimalige Junioren-Weltmeisterin aus Kreuth am Tegernsee. Auch vier Jahre später glänzt Viktoria Rebensburg wieder auf der olympischen Weltbühne und gewinnt mit einer rasanten Fahrt die Bronzemedaille im Riesenslalom bei den Winterspielen in Sotschi.

Am Tegernsee daheim – in der Welt zu hause

Viktoria Rebensburg ist mutig, talentiert und scheut kein Risiko. So wiederholte Sie auch zum dritten Mal das Unerwartete und gewann mit einer Meisterleistung im zweiten Lauf ihre erste Weltmeisterschafts-Medaille bei der Ski-WM 2015 in Vail/Beaver Creek. Man könnte nun fast meinen, Überraschungen seien Ihre Spezialität und Ihr Geheimrezept ist ganz einfach:
„Im zweiten Lauf habe ich gewusst: Vollgas. Sekt oder Selters. Zum Glück ist es Sekt. Bei der WM zählen nur Medaillen. Deswegen hatte ich das Messer zwischen den Zähnen. Es war herausragend,“ sagte Viktoria Rebensburg nach dem Sieg der Silbermedaille bei der Ski-WM 2015.

Mit Viktoria Rebensburg macht der Frauen-Weltcup einfach wieder Spaß und das nicht nur in Ihrer Paradedisziplin. Doch woher nimmt Sie die Power für ihre rasanten Riesenslalomschwünge im alpinen Skizirkus? Wir wollten es wissen und freuen uns über einige Tipps der sympathischen Tegernseerin:

Liebe Viktoria Rebensburg, wir gratulieren dir zu tollen Ergebnissen und freuen uns über einen hervorragenden 3 Platz im aktuellen Gesamt-Weltcup. Woher nimmst du die Kraft für die anstrengende Saison?
Zum einen bereite ich mich durch Kraft- und Konditionstraining über den Sommer gut vor, so dass ich den körperlichen Belastungen während der Saison gewachsen bin. Zum anderer nutze ich die wettkampffreien Monate, um viel Zeit daheim, mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Ich bin dort dann nicht die Athletin, die Olympiasiegerin, sondern einfach die Viktoria – Tochter, Schwester, Freundin. Das bedeutet völlige Entspannung. Ihre Unterstützung hilft mir auch in schwierigen Phasen.

Kinderfoto von Viktoria Rebensburg

Kinderfoto von Viktoria Rebensburg

Die Leidenschaft für flotte Schwünge hat dich bereits sehr früh gepackt, du standest ja bereits im Alter von 3 Jahren auf Skiern und hast den Hirschberg unsicher gemacht. Wie ging es dann weiter?
Meine Eltern haben mich dann recht bald im Verein angemeldet, weil mir das Skifahren einfach großen Spaß gemacht hat. Wirklich schnell war ich aber als Ski-Zwergerl selten, ich war eher ein Spätstarter. Ich habe aber schon relativ früh von mir aus einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, bin gerne Rennen gefahren und wollte mich vergleichen. Die Trainer und meine Eltern haben dieses Interesse ohne Druck gefördert. Und in der Schülerklasse hat sich dann auch gezeigt, dass ich ein gewisses Talent für den Sport mitbringe. 2003 wurde ich in den C-Kader des Deutschen Skiverbandes aufgenommen und bin dann mit 14/15 Jahren meine ersten internationalen Rennen gefahren. Der erste große Erfolg war mit 16 Jahren der Titel im Super-G. Ich glaube im selben Jahr durfte ich auf der Reiteralm in Österreich auch mein Weltcup-Debüt feiern.

Mit 15 Jahren wurdest du in den C-Kader des Deutschen Skiverbandes aufgenommen. Wie verändert sich der Alltag wenn man als Teenie bereits in den Profisport einsteigt?
Es braucht schon eine gewisse Überzeugung, das Verständnis von Freunden und die Unterstützung der Familie. Ich bin ja ganz normal zur Schule gegangen, auf’s Gymnasium in Tegernsee und wollte das auch fertig machen. Daneben dann regelmäßig zu trainieren und während der Saison zu den Rennen zu fahren, das war manchmal schon ein straffer Zeitplan. Aber mir macht nichts so viel Spaß wie auf den Ski zu stehen, deshalb hat es auch alles sehr gut parallel funktioniert.

Beim Olympiasieg in Vancouver hast du deinen größten Karriereerfolg gefeiert. Was war dein erster Gedanke als die Entscheidung gefallen ist?
In einem solchen Moment hat man eher tausend Gedanken oder auch keinen – das ist schwierig zu beschreiben. Es hat lange gedauert bis der Kopf wirklich verstanden hat, was meine Zielzeit bedeutet und wie ich diesen Erfolg einordnen muss, weil es ja mein erster Sieg überhaupt war. Ich hatte davor im Weltcup noch kein Rennen gewonnen, war sehr jung und bin nicht unbedingt als Favoritin nach Vancouver gereist. Deshalb war ich von den vielen Eindrücken und dem anschließenden Interesse ziemlich überwältigt, aber mit etwas Abstand dann natürlich auch überglücklich!

Viktoria Rebensburg am Tegernsee | Bildrechte: Andreas Acktun

Viktoria Rebensburg am Tegernsee | Bildrechte: Andreas Acktun

Nun bist du im Winter international unterwegs und täglich im Training, hast du vielleicht etwas dabei, das dich an deine Heimat erinnert?
Ich bin kein Typ für Talismane oder ähnliches. Die Verbindung zur Heimat läuft eher über meine Familie. In der heutigen Zeit gibt es ja unzählige Möglichkeiten mit Geschwistern, Eltern und Freunden in Kontakt zu bleiben. Sie halten mich immer auf dem Laufenden, was am Tegernsee so passiert und begleiten mich quasi rund um die Welt und durch die Saison.

Was macht man eigentlich im Sommer als Wintersportler, Betriebsurlaub?
Schön wär’s! Viele haben glaube ich diese Vorstellung. Aber wer im Winter fit sein will und über mehrere Monate regelmäßig Wettbewerbe auf höchstem Niveau bestreiten will, der muss die Kraft und Kondition dafür über die Sommermonate erstmal aufbauen. Meistens finden direkt nach dem letzten Rennen noch Materialtests für den nächsten Winter statt, dann gibt s einen kurzen Urlaub. Aber ab Ende April geht es meistens schon wieder in die Vorbereitung: Laufen, Radfahren, Gewichte stemmen und Koordinationsübungen stehen dann auf dem Plan.

Hast du ein Lieblingsevent am Tegernsee, das fest in deinem Kalender steht?
Wir haben sehr viele schöne Feste rund um den Tegernsee, die ich alle gerne besuche, wenn ich in der Zeit gerade daheim bin. Das Waldfest in Kreuth ist natürlich ein Muss, aber auch die verschiedenen Seefeste haben ein besonderes Flair. Die Bergkulisse, was Leckeres zu Essen und Freunde auf ein Radler treffen – das genieße ich immer sehr. Außerhalb des offiziellen Veranstaltungskalenders geht nichts über eine schöne Tour mit Gipfelbrotzeit.

Die Skigebiete am Tegernsee haben Ihren ganz besonderen Charme. Sie sind nicht die größten der Alpen, doch findet man hier zahlreiche gemütliche Hütten, nette Menschen und Natur pur. Welche Piste würdest du für eine sportliche Abfahrt empfehlen?
Ich selber gehe, wenn es ab und an Zeit und Schnee erlauben, ganz gerne am Wallberg zum Powdern oder ich mache eine kleine Ski Tour auf meinen Hausberg, den Hirschberg, das ist gar nicht so ohne. Die Roßkopf- und die Grünseeabfahrt am Spitzing sind sicherlich auch schöne Strecken für ambitioniertere Wintersportler.

Liebe Viktoria Rebensburg, du bist eine echte Tegernseerin, was macht deine Heimat einzigartig für dich?
Die Kombination aus unseren traumhaften Bergen und Seen und natürlich die Menschen und die bayerische Gemütlichkeit.

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