Trachten: Was gehört zum Dirndl, was zur Lederhose?

Am 19. September hieß es zum 182. Mal: O´ zapft is! In München geht es dann zum Schaulaufen, Schlemmen und Spaß haben auf die Theresienwiese, wo sich Trachtenträger treffen – Anfänger genauso wie Traditionsanhänger. Wer den Dresscode beherrscht, wird schnell deutlich. Der Dirndlrock darf nicht zu kurz sein, Neonfarben und Polyester sind verpönt, und die Schleife sollte an der richtigen Stelle sitzen. Darüber hinaus gibt es einiges mehr zu wissen rund um das Thema Münchner Trachten und ihre Bedeutung.

Strass, Rüschen und sonstiger Bling-Bling haben heute ausgedient. Die stilbewusste Trachten-und Dirndl-Trägerin setzt 2015 auf optisches Understatement, hochwertige Stoffe und solide Verarbeitung. Tracht nähert sich damit wieder ihrem Ursprung. Vor noch 50 Jahren waren Dirndl vor allem hellblau und rosa kariert, weil sie häufig aus Bettwäsche, Vorhängen und Tischtüchern gefertigt waren. Mittlerweile gibt es Dirndl in allen Farben der Pantone-Palette. Es geht immer mehr darum, Mode und Tracht zu kombinieren. Zu finden sind die Lieblingsstücke in den Trachtenabteilungen der Münchner Traditionshäuser Angermaier, Lodenfrey oder Oberpollinger. Hier gibt es neben Dirndl und Lederhose alles, was dazugehört: Für die Dame Mieder, Rock, Unterrock, Bluse, Schürze, Tasche und Schmuck. Für den Herren heißt es neben der Lederhose rein ins Karo- oder Leinen-Hemd, dazu kommen Tuch, Trachtensocken oder –Kniestrümpfe, Haferlschuh und ein Hut mit Gamsbart.

Ursprünglich kam das traditionelle Kleid zwar ganz ohne schmückendes Beiwerk aus, doch heute dürfen Accessoires nicht fehlen. Florschnalle, Kropfband oder Kropfkette, Samtbänder und mehrreihige Ketten aus Perlen und Edelmetall mit Zierverschlüssen sind die Klassiker. Früher diente der Trachtenschmuck der Unterscheidung der Stände wie Adel, Bauer, Bürger, Handwerker und Bedienstete. Auch der Familienstand war daraus abzulesen. Übrig geblieben davon ist die Schleife der Dirndlschürze: Schleife links bedeutet „Glück bringt’s!“ Denn sie symbolisiert: Ich bin ledig! Schleife rechts heißt für Burschen auf der Pirsch: Die Dame ist liiert oder gar verheiratet, also Finger weg! Wenn die Maid jedoch verwirren möchte, entscheidet sie sich statt für Dirndl für eine fesche Lederhose, denn auch die – ob in sehr kurzer Variante oder bis zum Knie –  ist heute salonfähig und macht dem Dirndl Konkurrenz.

Etwas ganz Besonderes ist der traditionelle „Grandlschmuck“ der Trachten. Wenn der Jäger ein Wild geschossen hat, ließ er früher seiner Liebsten die Grandln (Zähne) in Schmuck einarbeiten. In Form von Ringen, Ohrringen und Ketten bekam die Auserwählte den Schmuck überreicht. Der Mann trägt seine Trophäen wiederum als Charivari, einer Schmuckkette, die aus massivem Silber besteht oder aber versilbert ist und an der verschiedenste Symbole baumeln. Darunter fallen Edelsteine, Hornscheiben, Geldstücke, Tierpfoten, Zähne von Tieren oder Dachsbärte. Die Bezeichnung kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Verrücktheit“ oder aber ein „Durcheinander“. Wer diese aufschlüsseln und wissen möchte, welche Bedeutung die Trachtensymbole wie Hirsch, Fuchs, Reh, Steinbock oder Widder haben, wird auf www.jagahex.at fündig.

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