Eine Abkühlung an heißen Sommertagen ist nicht nur Balsam für die Seele, sondern auch noch gesund. Vor über 150 Jahren entwickelte Pfarrer Sebastian Kneipp ein Heilverfahren, das auf fünf Elementen basiert: Wasser, Ernährung, Bewegung, Kräuter und eine innere Ordnung stärken im Zusammenspiel nicht nur das Immunsystem, sondern versprechen als Therapieanwendung ein komplett neues Lebensgefühl. Das Körperbewusstsein, eine gesunde Ernährung und die bekannte Work-Life-Balance stehen heute bei vielen an oberster Stelle im Umgang mit sich selbst. So ist der Wunsch nach einer Methode, die einfach auf zu Hause übertragbar ist und praktisch keine Nebenwirkungen hat, aktueller denn je.

Kneipp hat in Bad Wörishofen gelebt und gewirkt. Seine Geschichte hätte Hollywood nicht schöner schreiben können. Nachdem er es als Sohn bettelarmer Weber endlich geschafft hatte, Priester zu werden, traf ihn ein erneuter Schicksalsschlag. An Lungentuberkulose erkrankt, beginnt die Kämpfernatur medizinische Bücher zu studieren bis ihm ein Buch über die Wassertherapie in die Hände fällt. Die darin beschriebene Heilmethode beeindruckt ihn so sehr, dass er anfängt, sich nach den Anleitungen des Buches zu behandeln und experimentiert mit drastischen Methoden: Im Winter 1849 badet er regelmäßig im eiskalten Wasser der Donau. Mit dieser Methode besiegt Kneipp seine Krankheit.

Bei der Wassertherapie dient das Wasser als Vermittler von Temperaturreizen. Die Wechselwirkung von warmem und kaltem Wasser stärkt vor allem das Immunsystem und die Durchblutung und erzeugt so ein besseres Befinden. Bei Kneipp geht es außerdem um das Zusammenspiel von Belastungen und Ruhe. Zu dieser Bewegungstherapie zählen Massageformen und Wandern, Radfahren oder Schwimmen. Die Ernährung ist ausgewogen und naturbelassen. Auch Heilpflanzen, die in Tees, Ölen oder Salben verwendet werden, ergänzen die Kneipp-Therapie. Der ganzheitliche Ansatz wird spätestens jetzt deutlich. Wer Kneipp in sein Badezimmer lässt, öffnet der Hydrotherapie auch seine Küche.

Vor allem im Sommer sind Kneipp´sche Anwendungen eine Wohltat. Ein Kneipp-Tipp bei Sommerhitze lautet: Nicht eiskalt duschen! Denn der Körper versucht sofort dem Temperaturunterschied auszugleichen. In Der Folge schwitzt man mehr als zuvor. Außerdem kann der „Kälte-Schock“ zu Kopfschmerzen und Schwindel führen. Besser ist es, lauwarmes Wasser für die Dusche und den ein oder anderen kalten Kneipp-Guss über den Tag verteilt anzuwenden.

Do-it-yourself! Der Knieguss: Beginnend am rechten Bein den Wasserstrahl außen aufwärts bis über die Kniekehle führen. Hier zwei bis drei Sekunden verweilen und dann innen abwärts führen. Dasselbe auf der Beinvorderseite bis über das Knie machen. Den Knieguss am linken Bein durchführen. Zum Abschluss die rechte und die linke Fußsohle abgießen. Für Wiedererwärmung sorgen. Wichtig ist der Wechsel zwischen warm und kalt. Wie oft auch der Wechsel zwischen warm und kalt praktiziert wird, sollte die Anwendung immer mit einem kalten Guss enden. „Das kälteste Wasser ist das beste“, so lautet Kneipps Devise.

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