Der Wunschzettel ist die einfachste Möglichkeit, anderen seine (Weihnachts-)wünsche mitzuteilen. Doch woher kommt dieser Brauch?

Die Liste unserer Wünsche ist lang – und sie wächst vor allem in der Vorweihnachtszeit: Elektronik, Bücher, Schmuck und Gutscheine sind dabei die Favoriten. Oft denken wir schon einige Wochen vor dem Fest darüber nach, was wir antworten, wenn wir nach unseren Wünschen gefragt werden. Als Kind haben wir diese aufgeschrieben oder aufgemalt. Empfänger: Der liebe Weihnachtsmann oder das Christkind.

Der Wandel im Laufe der Jahre
Früher hießen Wunschzettel „Weihnachtsbriefe“, die ab dem Jahr 1800 von den Kindern geschrieben wurden. Darin bedankten Sie sich bei den Eltern für die gute Erziehung und baten um Gottes Segen. Dann veränderten sich die weihnachtlichen Symbole: Ab 1885 sah man auf Grußkarten weniger das Jesuskind in der Krippe – Immer häufiger wurden nun Familien abgebildet, die vor einem prachtvoll geschmückten Weihnachtsbaum ihre Geschenke auspackten. Der Wunsch nach Gaben wurde groß und er erreichte seinen Höhepunkt in den Zwanziger Jahren: Coca Cola wirbt erstmals mit dem Weihnachtsmann – Mit seinem roten Gewand, weißem Rauschebart, Schlitten und Jutesack steht er seitdem als Symbol des Gabenbringers und sorgt für eine reiche Bescherung an Weihnachten.

Vom Weihnachtsbrief zum Wunschzettel
So wie der Name sich von „Weihnachtsbrief“ zu „Wunschzettel“ wandelte, so änderten sich auch die Wünsche. Der Dankesbrief an Gott, der zur Weihnachtszeit von den Eltern gefordert wurde, ließ keinen Raum für Kinderträume. Mit Coca Colas Weihnachtsmann und der darauf folgenden Materialisierung von Wünschen, füllten sich die Geschenke-Listen der Kleinsten vor allem in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Dabei ging es weniger darum, alles am Weihnachtstag auch wirklich zu erhalten – Sondern darum, in trostlosen Zeiten einen kurzen Moment lang träumen zu dürfen.

„Wer brav war, dem werden Wünsche erfüllt“
Es war zu spüren, wie groß und zahlreich die Wünsche der Kleinen waren und der baldige wirtschaftliche Aufschwung wurde zum Marketing-Sprungbrett für die Spielzeugindustrie. Über den Wunschzettel bekamen die Eltern auf geschicktem Wege mitgeteilt, welche Herzenswünsche ihre Kinder zum Weihnachtsfest hatten. Diese wurden immer größer, zahlreicher und teurer und sie festigten den Glaube an das Christkind und den Weihnachtsmann. Ein Gewinn für die Wirtschaft und ein Gewinn für die Harmonie am Weihnachtsabend.

Der unsichtbare Wunschzettel
Damals wie heute finden sich auf Wunschzetteln von Kindern hauptsächlich Dinge, die mit Geld zu kaufen sind. Allerdings belegen Statistiken, dass die Anzahl der unter dem Weihnachtsbaum überreichten Geschenke abgenommen hat. Vielleicht eine Folge dessen, dass die Geschenke zum einen immer wertvoller werden, zum anderen ein paar Wünsche bereits im Laufe des Jahres erfüllt werden.
Das Positive an dieser Wandlung: Die Gedanken gehen wieder zurück zum ursprünglichen Sinn des Weihnachtsfestes. Jeder Zweite, der das höchste Christliche Fest zelebriert, findet das Beisammensein und die Geselligkeit bei leckerem Essen mindestens genauso wichtig, wie ein Geschenk. Oft wird dies als Wunsch nicht ausgesprochen und damit auch nicht als Geschenk wahrgenommen – Aber der Wunsch nach einem friedvollen und harmonischen Weihnachtsfest ist bei ganz vielen die Nummer eins.

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